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Das von Karl Jenkins komponierte Requiem, für Chor und Orchester, umfasst insgesamt 13 Teile (die 13 gilt in Japan als göttliche Zahl) und wurde 2005 in London uraufgeführt.
Neben dem traditionellen lateinischen Text der Requiemmesse umfasst die Komposition auch die von Fauré und Duruflé eingefügten Bestandteile, „Pie Jesu“ sowie „In paradisum“.

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In fünf Teilen des Requiem hat Jenkins Haikus (Japanische´Todes`-Gedichte) eingebaut, deren feinfühlige, epigrammatische Wortwahl einen friedlichen Kommentar des liturgischen Textes bedeuten. Das Ergebnis ist ein zutiefst bewegender Ausdruck von Spiritualität, die in der musikalischen Verbindung verschiedener Kulturen eine Verknüpfung schafft, die in der modernen Welt höchst angemessen erscheint.

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Das Ensemble Chanterelle entschloss sich, nach dem großen Erfolg der Queen Symphonie, diese Herausforderung für das Jahr 2010 anzugehen.

Das Stück wurde, mit einem Konzertteil der Pianistin Eva Schaumkell, gemeinsam mit Orchester am 02. Oktober 2010 in der Stadthalle Weilburg aufgeführt.

Hana to mishi Yuki wa kinouzo Moto no mizu

Der Schnee von gestern, der wie Kirschblüten fiel, ist wieder zu Wasser geworden

Kokoro kara Yuki utsukushi ya Nishi no kumo

Aus der Tiefe meines Herzens: Wie sch
n sind die Schneewolken im Westen

Hitodama de Yukuki sanjiya Natsu no hara

Nun werde ich wie ein Geist durch die Felder streifen

Tsuki mo mite Ware wa konoyowo Kashiku kana

Nachdem ich den Mond gesehen habe verlasse ich die Erde mit einem Segen

Mame de iyo Miwa nara washino Kusa no tsuyu

Ich verlasse diese Welt, wie alle Dinge, wie Tau auf Gras

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Das „Requiem“ des Engländers Karl Jenkins in überzeugender Wirksamkeit
Von Willibald Schenk

Die Residenzstadt Weilburg hat nicht nur durch die mittlerweile 38 Jahre bestehenden internationalen Musikfestspiele sowie der Veranstaltungsreihe „Alte Musik im Weilburger Schloss“ eine enorme kulturelle Bedeutung bekommen, auch als Austragungsort außergewöhnlicher Konzerte geht ihr in dieser Region ein guter Ruf voraus. Die Aufführung des „Requiem“ des zeitgenössischen englischen Komponisten Karl Jenkins (geboren 1944) in der Stadthalle „Alte Reitschule“ durch den Projektchor des gemischten Ensembles „Chantarelle“ Hadamar kann man als ein weiteres herausragendes musikalisches Ereignis in diesem Jahr betrachten, das durch die junge begnadete Pianistin Eva Schaumkell eine ergänzende Bereicherung erfuhr.
Von dem umsichtigen musikalischen Leiter des Chores, Christoph Hilfrich ist ja bekannt, dass er kein Nachahmer von effektvoller und oft abgedroschener Literatur mit inflatorischen Tendenzen ist, nein, er beschreitet gerade neue Wege im musikerzieherischen Sinne und sucht eher Werke aus, die bis dahin noch völlig unbekannt–zumindest in dieser Gegend-waren. Dazu gehörte diesmal eine neue Projektaufgabe, zu der sich neben dem Stamm der gut durchgebildeten Sängerinnen und Sänger doch noch viele Interessierte Choristen begeistern ließen. Fast 50 Akteure mögen es gewesen sein, die sich auf der erweiterten Bühne der Stadthalle einfanden, um das Ergebnis des im Frühjahr begonnenen Projekts mit der nötigen Intensität und Motivation dem zahlreich erschienen Publikum vorzustellen. Die vielen Proben, die die Beteiligten gerne in Kauf nahmen haben sich gelohnt., wie es auch Markus Hilfrich, der Vorsitzende des Chores, in seinen einführenden Erklärungen hervorhob.

Karl Jenkins schrieb das „Requiem“ im Jahre 2005. Eine Besonderheit der „Totenmesse“ ist , dass dem Komponisten die Verbindung westlicher mit östlichen Kulturelementen in einer einzigartigen Weise gelungen ist. Dem traditionellen lateinischen Text des „Requiem“ werden im Laufe des chorischen Ablaufs fünf japanische Kurzgedichte (Haikus) zum Thema Tod eingebunden, die nicht nur eine ätherisch-schöne Wirkung haben, sondern auch eine gewisse Spiritualität im gesanglichen Ablauf finden. Die Klangfarbe ist dadurch einmalig, schon durch die Verwendung einer Shakuhachi-Flöte, nach alten japanischen Glauben ein Instrument, das die Verbindung zu den Toten herstellen soll. Mit den Traditionen anderer Kulturen im liturgischen Sinne muss sich sowohl der Werkschöpfer als auch der ausführende Dirigent beschäftigen, der nur so seinen Sängerinnen und Sängern die eigentlichen Intentionen, die dem Werk zugrunde liegen, übermitteln kann. Und das gelang Christoph Hilfrich in eindrucksvoller Art und Weise wie er mit den profilierten Instrumentalisten und dem motivierten Chor umging. Das „Requiem“ des Engländers ist in seiner musikalischen Struktur etwas ganz anderes, was man von einer eher traditionellen Komposition gewohnt ist. Von dem Introitus und Kyrie über das Lacrimosa, Pie Jesu und Lux Aeterna ist die Kompositionsweise ebenso kühn wie stark leidenschaftlich . Das „Dies irea“ rüttelte so richtig auf und das wunderschöne Harfensolospiel im „In Paradisum“ soll wohl die Glückseligkeit im Paradies darstellen. Eingeschobene Solopartien mit choreigenen Solistinnen im Sopran sorgen darüber hinaus für weitere meditative Akzente, so erhält das gesamte Werk zu jedem liturgischen Teil ein klingend-sinnliches Erlebnis im Umgang mit der Sterblichkeit in der Kompositionssprache von Karl Jenkins, in der sich Chor, Orchester unter der Gesamtleitung von Christoph Hilfrich als schöpferischer Nachgestalter erwiesen. Überaus reicher Beifall war den Ausführenden gewiss, die sich noch zu einer Zugabe aus dem „Paradisum“ entschlossen.

Den ersten Teil des Programms füllte die 21-jährige Pianistin Eva Schaumkell aus Hohenstein/Breithardt mit anspruchsvollster Literatur von Frederic Chopin aus. Die Künstlerin studiert in London an der renommierten „Guildhall School of Music an Drama. Aufmerksam und voller Begeisterung verfolgten die Zuhörer das äußerst virtuose Spiel der Nachwuchspianistin , die den gesamten Chopin-Block auswendig beherrschte (Eine große Gedächtnisleistung !) Das Scherzo in b-moll op.31 Nr. 2 war auch dann der Höhepunkt mit einer der liebenswürdigsten und pianistisch glänzenden Kompositionen Chopins , die aber auch die hohe künstlerische Reife der sympathisch-jungen Künstlerin demonstrierte.

Ein solches kostspielige Unterfangen mit hochkarätiger Musik war nur durch die finanzielle Hilfe durch Sponsoren möglich.
Diese großartige kulturelle Erlebnis in Weilburg könnte als Anregung dienen, dieses Werk von Jenkins , vielleicht im nächsten Jahr an einem anderen Veranstaltungsort ( eventuell in einer großen Kirche) zu realisieren. Die begeisterten Zuhörer könnten schon die Multiplikatoren sein..